P1020070Diez Céntimos (DC) ist ein integratives Kinder- und Jugendprojekt mit Sitz in Spanien. 2012 wurde es, als Reaktion auf die harten Sparbeschlüssen in der spanischen Bildungspolitik, gegründet. Die Ziele sind Bildungsförderung, Kommunikation und Integration. Um Kindern eine Stimme zu geben, Gehör und Augenmerk zu verleihen, entstand im September 2014 das soziale Kinder-Künstler-Projekt “Light a Light for a Child”, das zudem Kindern beweist, dass es weder Herkunft, Religion, Markenartikel noch kostenaufwendiger Aktivitäten bedarf, etwas ganz Besonderes zu sein. Was zählt, sind einzig sie, ihr Wille mitzumachen und zu verstehen: Nicht das, was die Werbung oktroyiert hat Wert, sondern das, was ich mit meinen Händen, Gedanken und Fähigkeiten zuleisten imstande bin. So gilt für alle Teinehmer die gleiche Ausgangsposition: Ein Stück Papier und ein Stift. Nichts weiter.

Seitdem zeichnen, skizzieren, schreiben Kinder und Künstler auf der ganzen Welt ihre Wünsche und Gedanken und senden diese via Mail nach Spanien. DC druckt die Zeichnungen auf transparentes Papier, gestaltet sie zu Windlichtern und präsentiert diese auf ihrer Wanderausstellung, der „Reise der Lichter“. Es ist ein Protest der anderen Art, Kindern die Rechte nicht zu nehmen, sie zu fördern, anstelle sie zu vergessen. Nicht laut und empört, sondern leise und berührend. Es sind die Momente der Stille und Nachdenklichkeit, wenn die Menschen im Schein all der vielen Lichter stehen, die die Organisation erreichen will und erreicht. Und es ist der Moment der Freude und des Stolzes, wenn Kinder ihre Lichter in der Zeitung, auf Fotos oder live vor Ort sehen, getragen durch die Beiträge der Künstler, die zeigen, wie wichtig es ist, Kindern genau diese Plattform zu geben, in einer Welt, die sich immer enger um Geld, Macht, Spekulation und Korruption dreht.
Spanien ist hier leider keine Ausnahme. Die aus politischer Misswirtschaft resultierende Verarmung der Bevölkerung, gipfelt darin, dass in Europa Spaniens Kinderarmut an zweiter Stelle, hinter Rumänien, steht. Doch vergleicht man die aktuelle Situation mit der von Syrien, beispielsweise, so verschieben sich die Relationen. Spaniens Leiden hinter der sonnigen Urlaubskulisse wird erträglich, Deutschlands Sorge ob seiner voranschreitenden Armut in der Bevölkerung, glimpflich. Bewusst ruft Diez Céntimos weltweit zur Teilnahme an seiner Reise der Lichter auf. Sie will Relationen demonstrieren. Wortlos. Parteilos. Kein Pathos, kein Fingerzeig, kein Statement. Nur die schlichte Präsenz dessen, was Kinder denken, fühlen, hoffen, wünschen. Es wird Zeit, dass die Welt hierhin schaut, denn hier liegt ihre Zukunft.

Nour 8Auch syrische Flüchtlingskinder senden Diez Céntimos ihre Stimmungen, Wünsche und Botschaften. Auch sie sind Zukunft. Ihre Eltern sind mit ihnen nach Deutschland geflohen, vor dem Grauen, welches Syrien im Griff hat. Aus der Heimat vertrieben, versuchen sie Fuss zu fassen, in einer fremden Welt. Wer dieses nicht erlebt hat, der kann nur ahnen, was sie durchmachen. Hasan Hüseyin Deveci weiß es. Aus Kurdistan vor zwei Jahrzehnten geflohen, hat er Deutschland als neue Heimat in sich aufgenommen. Es ist ihm ein Anliegen, einen Beitrag – seinen Beitrag – für diese Kinder zu leisten, die diesen Prozess noch vor sich haben. Kunst ist eine gute Therapie. Auch das weiß Hasan Hüseyin Deveci. Er ist freischaffender Künstler mit eigenem Atelier in Köln, arbeitet zudem als Kunsttherapeut und Kunstpädagoge.

Light a light for a Child ist auch deswegen so besonders. Es finden sich Kulturen, Geschichten und Menschen. Zeinb, Nour, Sima, Warren aus Syrien…, sie zeichnen eifrig unter der Leitung von Deveci für dieses soziales Kunstprojekt im fernen Spanien. Genauer, in Katalonien. Dieser Teil Spaniens, der laut nach Separatismus ruft. Nach Spaltung, Trennung, Ausgliedern. Ohne Netz und doppelten Boden. Ohne Plan B. In wirtschaftlich schlechten Zeiten hat Manipulation leichtes Spiel. Deutschland hat den umgekehrten Prozess vor 25 Jahren vollzogen. Plan B brauchte man nicht. Plan A war nicht aufzuhalten. Die Welt ist voller Widersprüche und Gegensätze.

1921197_927659623930166_3241365325282391948_oKatalonien fühlt sich unterdrückt, von Spanien gedemütigt und sucht die Freiheit. Es gärt und brodelt im Nordosten der Iberischen Halbinsel. Und doch wird es keinen Vulkan geben, der ausbrechen wird. Es gibt keine Verfolgungen, Vertreibungen keine Waffengewalt, keine Folterungen, keinen Krieg. Es gibt soziale Ungerechtigkeit, Korruption, Spekulation, Misswirtschaft, Ignoranz, Provokation, Lug, Feigheit und Eitelkeit. Schlechte Politik in gut sitzenden Maßanzügen. Aber Katalonien ist frei. Nicht unterdrückt und Deutschland ist nicht arm. Es kommt auf den Standpunkt an. Deveci und die Kinder von Syrien wissen das. Sie kennen den Unterschied.

Light a Light for a Child: Die Reise der Lichter ruft auch den Menschen in das Gewissen. Und selbst wenn es nur für einen kurzen Moment ist und danach das „Wenn und Aber“ erschallt, weil man nicht abrücken möchte von seinem Standpunkt, etwas bleibt in den Köpfen: Der Anblick hunderter, schimmernder Botschaften kleiner Kinderhände und großer Künstlerwerke, die alle eines eint und jeder trägt: Die Hoffnung auf eine bessere, ehrlichere Welt.


www.hhdeveci.de 
Projekte: „Mein Zeichen – Mein Licht“

Susanne Schwarz

(Gründerin Diez Céntimos & Light a Light for a Child)

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